Meditieren, obwohl der Kopf nicht still wird

Du setzt dich hin, möchtest meditieren, und dein Kopf nutzt die Gelegenheit für eine kleine Bestandsaufnahme. Die offene Rechnung. Das Gespräch von gestern. Was du morgen auf keinen Fall vergessen darfst. Und dann kommt noch ein Gedanke dazu: Nicht einmal das mit der Ruhe bekomme ich hin.

Dabei ist ein voller Kopf kein Grund, mit der Meditation auf einen besseren Tag zu warten. Bei meiner Herzmeditation geht es nicht darum, den Verstand auszuschalten. Es geht darum, Herz und Verstand wieder miteinander zu verbinden. Du darfst denken und zugleich etwas von dir wahrnehmen, das zwischen all den Gedanken wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

Meditieren beginnt nicht mit einem leeren Kopf

Oft machen wir aus der Ruhe eine Voraussetzung. Erst müsste innen alles ordentlich sein, dann könnten wir anfangen. Nur wäre die Meditation damit ausgerechnet für die Tage reserviert, an denen wir sie ohnehin leicht finden.

Ich beginne mit etwas Konkreterem: dem Körper. Wie sitze ich? Wo berühren meine Füße den Boden? Habe ich mir auf dem Stuhl tatsächlich Platz gegeben oder halte ich mich irgendwo zwischen zwei Aufgaben fest?

„Ich nehme meinen Platz ein“ ist die Intention dahinter. Dieser Platz ist zunächst der eigene Körper. Eine kleine, angenehme Bewegung kann helfen, ihn wieder zu bemerken. Auch eine Hand auf dem Körper kann die Aufmerksamkeit dorthin bringen. Dafür brauchst du weder ein inneres Bild noch ein besonderes Gefühl.

Du versuchst nicht, deine Gedanken mit einem weiteren Gedanken zu besiegen. Du gibst deiner Aufmerksamkeit noch etwas anderes zu tun.

Der Verstand darf mitkommen – und beobachtet werden

In meiner Morgenmeditation bekommt der Verstand bewusst seinen eigenen Moment. Wie schnell ist er unterwegs? Womit beschäftigt er sich? Unterstützt mich das gerade oder zieht es meine ganze Aufmerksamkeit an sich? Ist etwas dabei, das ich kurz aufschreiben möchte?

Das ist etwas anderes als die Aufforderung, endlich nichts mehr zu denken. Du lernst den Zustand kennen, mit dem du gerade da bist. Ein wichtiger Gedanke muss nicht verschwinden, damit du meditieren darfst. Du kannst ihn notieren und dich anschließend wieder deinem Körper zuwenden.

Stell dir vor, dir fällt ein Termin ein, den du noch bestätigen möchtest. Eine kurze Notiz kann reichen. Du musst nicht in Gedanken schon die gesamte Mail formulieren, drei mögliche Antworten vorwegnehmen und nebenbei prüfen, ob der Kalender im nächsten Monat überhaupt noch ein Leben zulässt.

Das Zurückkehren gehört dazu. Wenn du merkst, dass du nur noch über dich nachdenkst, kannst du wieder beim Spüren beginnen: Füße, Sitzfläche, Hände. Nicht als Strafe fürs Abschweifen, sondern als Rückweg.

Was deinem Herzen wichtig ist, muss sich nicht spektakulär anfühlen

Von diesem Körperkontakt aus richte ich die Aufmerksamkeit auf das Herz. Ein einfaches „Hallo Herz“ genügt als Begrüßung. In meiner spirituellen Praxis gehört dazu auch die Verbindung mit der höchsten Form der Liebe oder der göttlichen Kraft – die Bezeichnung darf zu dir passen.

Damit beschreibe ich eine spirituelle Ausrichtung, keinen Zustand, den du herstellen oder nachweisen musst. Wenn du gerade keine Wärme spürst, bist du nicht falsch. Wenn du müde bist, darf zunächst die Müdigkeit da sein.

Die Frage lautet: Was nehme ich wahr, und was ist meinem Herzen wichtig? Nicht: Ist das schön genug, um als Meditation zu gelten?

Für meine Arbeit mit Intuition und Medialität ist dieses Kennenlernen des eigenen Zustands wesentlich. Was denke ich, was fühle ich, was wünsche oder befürchte ich? Je genauer du diese Unterschiede bemerkst, desto sorgfältiger kannst du auch weitere Eindrücke betrachten. Ein klarer innerer Satz beweist allerdings nicht, woher er stammt. Gerade bei Entscheidungen gehören die tatsächliche Situation, deine Werte und die möglichen Folgen mit dazu.

Aus einem unruhigen Moment muss kein Urteil über dich werden

Es lohnt sich auch, auf die Sätze zu achten, die wir uns über uns selbst erzählen. „Meine Gedanken sind gerade sehr schnell“ beschreibt einen Zustand. „Ich kann überhaupt nicht meditieren“ macht daraus gleich eine grundsätzliche Aussage über uns.

In meiner Arbeit ist mir diese Unterscheidung wichtig: Du machst eine Erfahrung. Du bist nicht diese Erfahrung. Übertragen auf den Einstieg heißt das: Du erlebst gerade Unruhe. Daraus folgt nicht, dass du ein hoffnungsloser Fall für Meditation bist.

Du musst dir den Moment deshalb nicht schönreden. Eine schwierige Situation bleibt schwierig, und echte Belastung verdient Unterstützung. Es geht nicht darum, dir die Verantwortung für alles zuzuschieben, was dir passiert. Es geht darum, genauer hinzuhören, wo deine Beschreibung aufhört und die Abwertung deiner selbst anfängt.

Auch das Bemerken darf zunächst genügen. Du brauchst nicht aus jeder Meditation mit einem vollständig gelösten Thema aufzustehen. Und du darfst zugleich etwas Erfreuliches wahrnehmen. Eine Praxis, in der du nur deine Fehler suchst, macht die Einladung zum nächsten Mal nicht gerade leichter.

Ein kleiner Anfang und eine bewusste Rückkehr

Wenn du sicher und ungestört sitzt, probiere einen kurzen Moment aus: Bemerke den Kontakt deiner Füße zum Boden oder deines Körpers zum Stuhl. Lass die Augen offen, wenn dir das angenehmer ist, und deinen Atem so, wie er gerade ist. Wenn du magst, lege eine Hand auf deinen Körper.

Nimm wahr, was da ist. Ein Gedanke darf ein Gedanke bleiben. Wenn es angenehm ist, wende dich auch deinem Herzraum zu, ohne dort etwas Bestimmtes zu erwarten.

Zum Abschluss schau dich im Raum um, bewege dich und richte deine Aufmerksamkeit wieder auf deine Umgebung. Diese Rückkehr ist Teil der Praxis. Dein Alltag braucht dich nicht halb bei einer inneren Erfahrung und halb beim nächsten Termin, sondern wieder ganz anwesend.

Wenn die innere Aufmerksamkeit unangenehm wird, beende den Versuch. Du musst nichts durchhalten. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden ist fachliche Unterstützung wichtig; Meditation ersetzt keine Behandlung. Während des Fahrens oder anderer Tätigkeiten, die deine Aufmerksamkeit verlangen, ist nicht der passende Moment dafür.

Für den nächsten Versuch genügt eine Frage: Was habe ich von mir bemerkt, bevor ich bewertet habe, wie es sein sollte?

Wenn du begleitet beginnen möchtest

In meiner geführten Herzmeditation gebe ich dir Zeit, Körper, Herzraum und innere Wahrnehmung kennenzulernen. Du brauchst keine Meditationserfahrung; Kamera und Mikrofon können ausgeschaltet bleiben.

Du musst also auch dort nicht schon ruhig ankommen. Du darfst mit dem anfangen, was tatsächlich da ist.

Herzmeditation kennenlernen

Kristina Sacken

Kristina Sacken
Juristin, Politologin, Medium

Man könnte denken, wer als Medium und spirituelle Beraterin arbeitet, sei ein totaler Gefühlsmensch. Das Gegenteil ist bei mir der Fall.
Ich bin ursprünglich ausgebildete Juristin und Politologin und erst später habe ich in London Mediumship studiert. Seit ich mich erinnern kann, habe ich meine komplexe innere Welt mit meinem Verstand analysiert und geordnet. Ich wollte immer genau verstehen, was in mir passiert. Viele Jahre habe ich als Geschäftsführerin „weltlicher“ Firmen gearbeitet, bis ich mich 2013 ganz meiner Medialität gewidmet und die Kristina Sacken Akademie gegründet habe, in der ich mein Wissen über Medialität weitergebe.

Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch sich selbst helfen kann, wenn er die Intelligenz seines Herzen zu nutzen weiß. Und dass diese Fähigkeit die Voraussetzung für ein glückliches Leben ist.

In meiner Akademie lehre ich, wie man seine medialen Fähigkeiten entwickeln kann. Dabei ist mir die Balance zwischen spirituellen Höhenflügen und pragmatischer Weltlichkeit immens wichtig. Das eine kann nicht ohne das andere stattfinden.